Wie im Voraus zu erwarten war, gab es an der diesjähringen Convergence endlich die ersehnten Details zur nächsten Version von Microsoft Dynamics NAV. An die 16. Konferenz für Microsoft Business Software sind dieses Jahr mehr als 10‘000 Partner, Entwickler und Kunden aus über 50 Ländern nach Houston gereist.
Kirill Tatarinov, Chef der Dynamics-Sparte bei Microsoft, kündigte an, dass die kommende Version unter dem Produktenamen „Microsoft Dynamics NAV 2013“ im 4. Quartal dieses Jahres erscheinen wird und als erste ERP-Lösung von Microsoft sowohl als (Achtung Buzzword Alert!) „On-Premise-Deployment“ wie auch als „On-Demand aus der Cloud“ erhältlich sein wird. Übersetzt bedeutet dieses Marketing-BlaBla etwa so viel wie: Microsoft hat Angst den Trend zu Cloud-Services auch im ERP-Bereich zu verschlafen und bietet daher NAV 2013 neben der traditionellen Installation auf dem eigenen Server („On-Promise-Deployment“) neu als eine weit weit weg bei Microsoft vorinstallierten und teilweise verwalteten Version an. Bei Letzterem spricht Winzigweich von „On-Demand aus der Cloud“ und verspricht den Kunden neben generell tieferen Gesamtkosten (Buzzword „TCO“) dank den Features von Windows Azure bessere Skalier- und Verfügbarkeit.
Ob NAV 2013 Ende Jahr als Cloud-Lösung bereits brauchbar sein wird, wurde von vielen Konferenzteilnehmern allerdings in Frage gestellt. Im Gegensatz zu Standard-Cloud-Lösungen ab der Stange, welche direkt von Microsoft bezogen werden können (Office, Exchange, SharePoint, Webhosting etc.), handelt es sich bei ERP-Systemen um komplexe, unternehmenskritische Anwendungen die in der Regel von Land zu Land unterschiedlich sind und für jeden Kunden individuell angepasst werden müssen. Somit bedarf es neben risikofreudigen Kunden auch die Bereitschaft der lokalen Integratoren, die kommende Cloud-Variante von NAV 2013 anzubieten. Die allermeisten Dynamics Integratoren mit denen wir auf der Konferenz gesprochen haben, sehen im Moment jedoch keinen Grund, ihre Kunden in die Wolke zu schicken und dabei selber teilweise noch auf eigene Dienstleistungen zu verzichten. Viel mehr will man die konkreten Cloud-Angebote und Preise abwarten und zuerst einmal den Übergang von der alten Navision- zur neuen .Net/SQL-Architektur abschliessen, welche spätestens mit NAV 2013 zwingend sein wird.
Auch wenn aus Sicht der Microsofties die Cloud im Zentrum stand, in den zahlreichen Sessions gab es dann doch noch ein paar nützliche Informationen zu den anderen neuen Funktionen in Microsoft Dynamics NAV 2013:

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User können in der nächsten Version zusätzlich über einen Internet Browser auf NAV zugreifen. Der sogenannte „Web-Client“ sieht sehr ähnlich aus wie der jetzige RoleTailored Desktop Client |

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NAV 2013 wird sich besser in SharePoint integrieren lassen und Unterstützung für SharePoint Self Service mitbringen |

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Die komplette Codebasis wurde auf .Net migriert d.h. der RoleTailored Client ist ab NAV 2013 zwingend (bye bye “Classic Client“, Forms, und „Classic Reports“) |

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SQL Server ist nun zwingend (bye bye „Native Database“) |

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Um die Performance und Usability zu erhöhen, können verschiedene Auftragsarten (z.B. Verkaufsauftrag) im Hintergrund verarbeitet werden ohne den Benutzer aufzuhalten. Dank .Net wird man solche asynchrone und parallele Funktionen in Zukunft wohl noch mehr sehen. |

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Integration von Skype: Kunden können aus NAV direkt via Skype kontaktiert werden und umgekehrt (allein dieses neue Feature hat Microsoft $8.5 Milliarden gekostet!) |

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Integration von OneNote (im Apple App Store seit langem erhältlich, Ende Jahr nun also auch für NAV) |

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Bessere Excel Integration |

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Durch Zugriffsoptimierung (Stichwort „Table/Row Locking") auf die zentrale G/L Tabelle (=chronischer Flaschenhals) konnte bei bestimmten Prozessen offenbar eine Performance-Verbesserung von bis zu 90% erreicht werden |

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Bessere Möglichkeiten (system- und lizenztechnisch) für „Partner Hosted Solutions“ (was immer das konkret dann heissen mag...) |
Gezeigt wurde zudem eine neue Benutzeroberfläche basierend auf dem neuen Windows 8 Metro Design (Stichwort „WinRT“). Ob es sich dabei um eine NAV App handelte, was genau deren Zweck sein sollte und wann diese App erscheinen wird, war jedoch nicht zu erfahren.
Zwar wurden an der diesjährigen Convergence wie erwartet viele offene Fragen beantwortet, durch die teilweise sehr schwammigen Aussagen sind aber auch viele neue Fragezeichen entstanden. Bleibt zu hoffen, dass die für Mitte Mai angekündigte Beta Version von Microsoft Dynamics NAV 2013 mehr Klarheit schaffen kann.
Update: Wie andere Webseiten nun berichten, handelt es sich bei den gezeigten Metro-Screenshots offenbar tatsächlich nur um „Dynamics Windows 8 Concept Apps“ basierend auf HTML5 / WinRT. Nun stellt sich natürlich die Zusatzfrage: Wenn diese Concept Apps schon nicht in C# / XAML entwickelt wurden, werden diese dann auch auf anderen Plattformen laufen, wie z.B. Windows Phone, iOS oder Android?